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Ortsgeschichte

Alte Schule 1910Heuernte 1930Ortsansicht 1900

Die älteste urkundliche Erwähnung Manubachs vom 1. April 1190 findet man in einer Neuordnung der Steuerverhältnisse des  Ravengiersburger Klosterhofs durch Conrad Pfalzgraf bei Rhein. Es gibt jedoch Hinweise auf wesentlich frühere Besiedlung, z. B. durch Kelten und Römer, später Franken (Funde von Münzen und Gebrauchsgegenständen, ausgestellt im Rhein. Landesmuseum Bonn).

In der fränkischen Zeit war das Land am Mittelrhein Königsgut. Das Vierthälergebiet (Vier Talschaften = vier Gemeinden, die zur Burg  Stahleck in Bacharach gehörten), zu dem Manubach gehörte, fiel als Schenkung an das Erzbistum Köln, welches es wiederum an das St. Andreas-Stift zu Köln schenkte. 1156 erhielt Konrad von Hohenstaufen das Gebiet als Lehen. Seine Enkelin heiratete 1225 Otto II., den Herzog von Bayern/Wittelsbach, an dessen Familie die Pfalzgrafenwürde überging. Fast 600 Jahre lang blieb das Vierthälergebiet unter Wittelsbacher Herrschaft. Aus diesem Grund findet man in den Wappen der Vierthäler-Gemeinden und der Stadt Bachrach die blau-weißen Rauten. Die Residenz der Pfalzgafen war zuerst in Bacharach, wurde später aber nach Heidelberg verlegt. Schon 1356 trat eine Ratsverfassung für das Vierthälergebiet in Kraft, nach der Manubach zwei Ratsbürgermeister des Vierthälerrats stellte. Die Vierthälergemeinden Bacharach, Steeg, Diebach und Manubach wurden „gefreite Gemeinden“, deren freie (nicht mehr leibeigene) Einwohner sich Burger nannten. Durch diese Verfassung war es Manubach gestattet, den Ort zu befestigen. Es gab Mauern, Türme und Gebück (Dornenhecken), was man noch heute an Gemarkungsbezeichnungen ablesen kann.

Manubach profitierte, obwohl im Seitental des Rheins gelegen, stark von dem bedeutenden Handelsweg des Rheintals. In den alten Kirchenbüchern, die für Manubach bis 1578 zurückreichen, findet man zahlreiche Neubürger aus den Ländern am Rhein, von der Schweiz bis nach Holland.

Durch den Kontakt zu den Handelsleuten kam man auch schon früh mit den Ideen der Reformationsbewegung in Berührung, der Durchbruch des Protestantismus fand dann 1546 unter dem Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz statt.

Im dreißigjährigen Krieg wurde das Gebiet zeitweise durch Spanier besetzt und vorübergehend wieder rekatholisiert, was dann durch die Schweden unter ihrem König Gustav Adolf wieder rückgängig gemacht wurde. Über diese Zeit finden sich interessante Eintragungen des damaligen protestantischen Pfarrers Johannes Scherer, genannt Tonsor, in den Kirchenbüchern. Im pfälzischen Erbfolgekrieg des 17. Jahrhunderts litt die ganze Region unter den Zerstörungen der Truppen Ludwig XIV. Im 18. Jahrhundert fiel das westliche Rheinland dann an Frankreich, bis es Anfang des 19. Jahrhunderts eine preußische Provinz wurde.

Von 1812 bis 1835  lebte und wirkte hier der Pfarrer und Volksschriftsteller Friedrich Wilhelm Philipp Oertel (Pseudonym W. O. von Horn, Hauptwerke „Die Spinnstube“, „Der Rhein...“, „Die Maje“). Er beschreibt in vielen Erzählungen seine geliebte Heimat, den Hunsrück und den Mittelrhein. (Siehe W. O. von Horn-Archiv)

Alle Kriege, die durchziehenden Truppen, die nachfolgenden Räuberbanden, die Pestepidemien überlebte das Dörfchen tapfer und selbstbewusst. Als aber in den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, durch Mißernten und häufige Erbteilung, eine große wirtschaftliche Not ausbrach, wanderten viele Manubacher aus nach Nord- und Südamerika. Es gibt heute noch verwandtschaftliche Kontakte zu den Nachkommen!

Manubach lebte ursprünglich von Weinbau, Land- und Viehwirtschaft. Noch 1960 wurden folgende Zahlen genannt:

360 ha landwirtsch. Nutzfläche, davon 64 ha Rebland, 200 ha Gemeindewald, 25 ha Staatswald, 95 ha Privatwald.

Äcker und Wiesen wurden damals noch von 77 Betrieben mit Viehhaltung genutzt. Das Rebland wurde von 94 Betrieben genutzt. Beides hat sich stark zurückentwickelt, der Weinbau wurde auf einen Rest von ca. 3% reduziert. In den Weinbergsbrachen, die durch eine gemeindeeigene Ziegenherde freigehalten werden, bilden sich nun Biotope für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Als Beispiel seien die Smaragdeidechse, der Feuersalamander und der Schwalbenschwanz-Falter genannt.


Manubach war jahrzehntelang eine Eisenbahner-Gemeinde. Viele Nebenerwerbswinzer arbeiteten bei der Deutschen Bundesbahn. Doch heute gibt es hier nur noch wenige Eisenbahner, da die Arbeitsplätze der Bahn reduziert und auch auf Mainz und Frankfurt konzentriert wurden.

Manubach ist heute eine Berufspendler-Gemeinde. Die Manubacher arbeiten in Bingen, Mainz, Frankfurt.


Karl-R. Mades